Die Geburt der Mille Miglia: Vier Männer, eine Idee und warum sie die Welt des Motorsports veränderte

Die Mille Miglia wurde am 26. März 1927 von vier Männern aus Brescia gegründet: Graf Aymo Maggi, Graf Franco Mazzotti, Renzo Castagneto und Giovanni Canestrini. Das Rennen führte von Brescia nach Rom und zurück, rund 1.600 Kilometer auf öffentlichen Straßen. Sie nannten es die Coppa delle Mille Miglia. Enzo Ferrari nannte es später das schönste Rennen der Welt.

Was sie schufen, war mehr als ein Rennen. Es war ein Stück gelebtes Italien.

Warum Brescia: Der Stolz, der alles ins Rollen brachte

1926 verlor Brescia den Grand Prix von Italien an Monza. Die Stadt, die einmal das Zentrum des italienischen Motorsports gewesen war, wurde auf einen Schlag bedeutungslos. Das war für vier junge Männer aus Brescia keine akzeptable Situation.

Am 2. Dezember 1926 trafen sich Maggi, Mazzotti und Castagneto in der Mailänder Wohnung des Motorsport-Journalisten Giovanni Canestrini. Was sie planten, war keine bescheidene Veranstaltung. Sie wollten ein Rennen über tausend Meilen, auf öffentlichen Straßen, mitten durch das Land. Als Mazzotti fragte, wie weit die Strecke sei, kam die Antwort: 1.600 Kilometer. Das sind tausend Meilen, sagte er. Und warum dann nicht Coppa delle Mille Miglia?

Der Name gefiel allen sofort. Vier Wochen später erschien er zum ersten Mal in der Gazzetta dello Sport.

[Heute können Sie Seite an Seite mit den Teilnehmern mitfahren, ohne das komplexe Anmeldeprozedere. Alle Informationen dazu auf unserer Hauptseite: Mythos Mille Miglia.]

Das erste Rennen 1927: 77 Autos und eine Legende, die beginnt

Am 26. März 1927, um acht Uhr morgens, rollte das erste Fahrzeug von der Viale Venezia in Brescia. 77 Autos starteten, 54 kamen zurück. Sieger wurden Ferdinando Minoia und Giuseppe Morandi auf einem OM 665 Sport, nach 21 Stunden und vier Minuten. Schnitt: 77 km/h. 

Auf unbefestigten Landstraßen, ohne Leitplanken, ohne Absperrungen.

Die Strecke verlief von Brescia nach Rom und zurück über Bologna, was auf der Karte die Form einer Acht ergab. Dasselbe Prinzip, das die Mille Miglia 2026 wieder aufgreift.

Nuvolari 1930: Die Nacht, die zum Mythos wurde

Tazio Nuvolari fuhr das Rennen 1930 mit abgeschalteten Scheinwerfern. Er folgte seinem Rivalen Achille Varzi im Dunkeln, ohne dass dieser es bemerkte. Kurz vor Brescia schaltete Nuvolari das Licht an und überholte. Varzi hatte keine Chance mehr. 

Es war einer der berühmtesten Momente der Motorsportgeschichte, beschrieben in Dutzenden Büchern, verewigt in Gemälden. Und er geschah auf einer normalen Landstraße, irgendwo in Norditalien.

Stirling Moss 1955: Der Rekord, der bis heute steht

Am 1. Mai 1955 fuhr Stirling Moss zusammen mit Beifahrer Denis Jenkinson die Mille Miglia in 10 Stunden und 7 Minuten. Durchschnitt: 157,65 km/h. Auf öffentlichen Straßen, durch Dörfer, über Bergpässe. Jenkinson hatte die gesamte Strecke auf einer Papierrolle notiert und gab Moss die Kurven Sekunden im Voraus durch. Dieser Rekord wurde nie gebrochen. Er kann nicht gebrochen werden, weil es das Rennen in dieser Form nicht mehr gibt.

Warum die Mille Miglia 1957 endete: Der Unfall, der alles veränderte

Am 12. Mai 1957 platzte bei Guidizzolo, rund 40 Kilometer vor dem Ziel in Brescia, der Reifen des Ferrari 335S von Alfonso de Portago. Der Wagen fuhr mit über 250 km/h. De Portago, sein Beifahrer Edmund Nelson und neun Zuschauer, darunter fünf Kinder, starben. Zwanzig weitere Personen wurden verletzt.

Dabei hatte de Portago selbst Bedenken gegen das Rennen geäußert. Beim letzten Service-Stopp vor dem Ziel lag er auf Rang drei. Ein dringend benötigter Reifenwechsel wurde abgelehnt, er hätte zu viel Zeit gekostet.

Drei Tage nach dem Rennen verbot die italienische Regierung Straßenrennen auf öffentlichen Straßen. Die Mille Miglia in ihrer ursprünglichen Form war damit beendet. Gegen Enzo Ferrari wurden Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. 1961 wurde er freigesprochen.

Der Corriere della Sera titelte am Abend des Unfalls:

 

 „Die Mille Miglia, Friedhof für Babys und Männer. Basta.“

Wiedergeburt: Wie kam die Mille Miglia 1977 zurück?

Seit 1977 gibt es die Mille Miglia wieder, als Gleichmäßigkeitsrallye für historische Fahrzeuge. Kein Geschwindigkeitsrennen mehr. Stattdessen: Dolce Vita auf tausend Meilen. Teilnehmen darf nur, wer ein Fahrzeug aus den Jahren 1927 bis 1957 besitzt, das damals in einer der originalen Ausgaben gemeldet war und im Registro Storico eingetragen ist.

Das macht die Mille Miglia bis heute zu einem der exklusivsten Automobile Events der Welt. Und zu einem der zugänglichsten zugleich, denn die Strecke verläuft auf öffentlichen Straßen, mitten durch die schönsten Landschaften Italiens.

[Was es bedeutet, heute dabei zu sein, ohne selbst Teilnehmer zu sein: Mille Miglia 2026 planen.]

Was die Mille Miglia anders machte als jedes andere Rennen

Kein Rundkurs. Keine Tribüne. Keine Absperrung zwischen Zuschauer und Fahrzeug. Die Mille Miglia fuhr durch echte Dörfer, an echten Menschen vorbei, über Straßen, auf denen am Vortag noch Traktoren unterwegs waren.

Was unterscheidet sie von jedem anderen Rennen der Welt?

  • Keine Rennstrecke. Die Route verlief auf öffentlichen Landstraßen, durch Dorfzentren, über Bergpässe, an Feldern und Weinbergen vorbei
  • Keine Absperrungen. Zuschauer standen oft weniger als einen Meter vom Fahrzeug entfernt
  • Keine Tickets. Wer am Straßenrand stand, erlebte dasselbe wie jemand auf der besten Tribüne eines Grand Prix, nur näher
  • Keine Uniformität. Jede Stadt, jedes Dorf, jeder Pass war anders. Die Mille Miglia war nie zweimal gleich
  • Keine Distanz zwischen Rennen und Leben. Kinder saßen auf den Schultern ihrer Väter, Nonnen lehnten aus Kloster Fenstern, alte Männer verfolgten das Rennen auf Stühlen vor ihrer Haustür

Das war das Besondere. Nicht die Geschwindigkeit, nicht die Technik. Es war die unmittelbare Nähe zwischen einer Legende und dem normalen Leben. Dieses Gefühl hat die Mille Miglia Storica gerettet und bis heute konserviert.

Wer einmal dabei war, versteht es. Wer es noch nicht war, sollte das ändern.

Wer hat die Mille Miglia gegründet?

Die Mille Miglia wurde von vier Männern aus Brescia gegründet: Graf Aymo Maggi, Graf Franco Mazzotti, Renzo Castagneto und Giovanni Canestrini. Sie trafen sich am 2. Dezember 1926 in Mailand und beschlossen, ein Straßenrennen über tausend Meilen zu veranstalten. Das erste Rennen fand am 26. März 1927 statt. Die vier Gründer werden in Italien bis heute als die vier Musketiere der Mille Miglia bezeichnet.

Was war der Unfall bei der Mille Miglia 1957?

Am 12. Mai 1957 platzte der Reifen des Ferrari 335S von Alfonso de Portago nahe Guidizzolo bei rund 250 km/h. Der Wagen schleuderte in die Zuschauermenge. Es war einer der schwersten Unfälle in der Geschichte des Motorsports. Der Unfall beendete die Mille Miglia in ihrer ursprünglichen Form. Was 1927 als Akt des Stolzes begann, endete 1957 als Mahnung.

Die Fakten auf einen Blick:

  • De Portago, sein Beifahrer Edmund Nelson und neun Zuschauer starben, darunter fünf Kinder
  • Weitere zwanzig Personen wurden verletzt
  • Beim letzten Servicehalt hatte de Portago selbst auf einen dringend benötigten Reifenwechsel verzichtet, um keine Zeit zu verlieren
  • Drei Tage nach dem Rennen verbot die italienische Regierung alle Straßenrennen auf öffentlichen Straßen
  • Gegen Enzo Ferrari wurden Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. 1961 wurde er freigesprochen
Warum gibt es die Mille Miglia nicht mehr als Rennen?

Die originale Mille Miglia als Geschwindigkeitsrennen wurde nach dem Unfall von 1957 dauerhaft verboten. Die italienische Regierung untersagte drei Tage nach dem Rennen alle Straßenrennen auf öffentlichen Straßen. 

Seit 1977 findet die Mille Miglia als Gleichmäßigkeits-Rallye statt, bei der Geschwindigkeit keine Rolle mehr spielt. Es geht um Präzision, Eleganz und das Erlebnis selbst.

Gibt es die Mille Miglia heute noch?

Ja. Seit 1977 wird die Mille Miglia Storica jährlich ausgefahren, in der Regel im Mai oder Juni. Teilnehmen dürfen ausschließlich Fahrzeuge, die zwischen 1927 und 1957 gebaut wurden und damals in einer der originalen Ausgaben gemeldet waren. 

Die Strecke führt wie im Original von Brescia nach Rom und zurück, über rund 1.600 Kilometer durch die schönsten Regionen Italiens. Mit einem Nostalgic-Reisepaket können Sie Seite an Seite mit den offiziellen Teilnehmern mitfahren, ohne selbst ein solches Fahrzeug besitzen zu müssen.